Was Pferde im Sommer brauchen
Der Sommer stellt Pferde vor sehr andere Herausforderungen als die kalten Monate. Hitzeperioden, Insektenplage, Trockenheit und plötzliche Wetterumschwünge können Kreislauf, Haut, Verdauung und Bewegungsapparat gleichzeitig belasten. Wer hier vorbereitet ist, vermeidet die häufigsten sommerlichen Probleme und sorgt für ein entspanntes Pferd auch bei 30 °C.
Vier Themen stehen im Mittelpunkt: ausreichend Wasser, Schutz vor Hitze, konsequenter Insektenschutz und ein Weidemanagement, das mit Trockenheit und Fruktanspitzen umgehen kann. Reiten und Transport müssen auf die Belastung Rücksicht nehmen, damit aus einem normalen Ausritt kein Notfall wird.
Wetter-App und Wochenplanung helfen
Hitze und Kreislauf
Pferde regulieren ihre Körpertemperatur vor allem über Schwitzen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet Schweiß langsamer und die Kühlleistung sinkt. Dazu kommen Belastungen wie Transport, Reiten oder enges Stehen in der Box ohne Luftzug. Diese Warnzeichen sollten ernst genommen werden:
- Atemfrequenz über 24 Atemzüge pro Minute in Ruhe
- Apathie, ungewöhnliche Müdigkeit, glasiger Blick
- Sehr stark schwitzendes Fell oder im Gegenteil trockene Haut bei Hitze (Anhidrose)
- Verlängerte Kapillarfüllungszeit über 3 Sekunden
- Schwankender Gang, Wegknicken in Gliedmaßen
- Erhöhte Körpertemperatur über 39,5 °C ohne Belastung
Hitzeschlag ist ein Notfall
Wasserbedarf und Tränken
Wasser ist im Sommer das wichtigste Pflegethema. Schon ein leichter Wassermangel kann Verstopfungskoliken auslösen, Hufrehe begünstigen oder den Kreislauf überlasten. Mehrere Wasserquellen reduzieren das Risiko, dass eine Tränke ausfällt oder das Wasser durch Schmutz unbrauchbar wird.
- Pferde trinken bei Hitze 50-80 Liter pro Tag, statt der üblichen 30-40 Liter
- Mindestens zwei verschiedene Wasserquellen anbieten: Tränke + Eimer oder zweite Tränke
- Wasser täglich kontrollieren, Algen, Schlamm und Insekten konsequent entfernen
- Selbsttränken auf Funktion prüfen - bei Hitze fallen sie schnell aus oder werden zu warm
- Standtränken im Schatten aufstellen oder schattig gestalten
- Auf Reitwegen Wassertränken einplanen: Notfall-Eimer im Sattel-Pack mitführen
- Salz und Mineralien zugänglich machen, da bei starkem Schwitzen Elektrolyte verloren gehen
Salzleckstein oder Mineralfutter beachten
Bremsen, Mücken und Insektenschutz
Bremsen, Stechfliegen und Wadenstecher
Stechen vor allem an Kopf, Bauch und Beinen. Bremsenmittel-Sprays helfen kurzfristig. Fliegenmasken, Bauchnetze und Insektendecken sind wirkungsvoller bei dauerhaftem Druck.
Kriebelmücken (Auslöser von Sommerekzem)
Aktiv vor allem in Dämmerung und an feuchten Stellen. Disponierte Pferde sollten zu dieser Zeit im Stall oder unter Ekzemdecke sein.
Lästige Mücken
Können den Schlaf der Pferde stark stören. Stallbelüftung mit Ventilator hilft, ebenso Insektenschutzgitter an Stallöffnungen.
Zecken
Übertragen Borreliose und Anaplasmose. Tägliche Kontrolle besonders an Kopf, Mähne, Bauchunterseite, Innenschenkel und Schweifrübe. Bei Befall Zecke mit Zeckenkarte oder feiner Pinzette entfernen.
Konsequenter Schutz schlägt punktuelle Lösung
Sonnenbrand und Hautschutz
- Besonders gefährdet: helle Nüstern, weiße Abzeichen, Schimmel ohne Pigmentierung an Kopf und Beinen
- Sonnencreme mit hohem LSF (30+) für Pferde-Haut anwenden - keine chemischen Filter für menschliche Haut verwenden, die das Pferd lecken könnte
- Fliegenmaske mit UV-Schutz für gefährdete Köpfe
- Mittagsstunden auf der Weide vermeiden oder konsequent Schatten anbieten (Bäume, Unterstand)
- Schimmel mit dünnem Fell brauchen besonders aufmerksamen Schutz
Weidemanagement im Sommer
- Wasser ausreichend, regelmäßig kontrolliert und gut zugänglich
- Mindestens ein schattiger Bereich pro Pferdegruppe (Baum, Unterstand)
- Fruktan-arm beweiden: morgens früh kurze Phasen, in trockenen heißen Phasen Vorsicht wegen Hufrehe-Risiko
- Wiesen-Pflege: Mähen, Nachsäen, Geilstellen meiden - alte Pferdegrasflächen verbuschen
- Tägliches Abäppeln senkt Parasitendruck und Stechfliegen-Brutstätten
- Bei Trockenheit Heu zufüttern, damit Pferde nicht zu wenig Strukturfutter aufnehmen
Hufrehe-Vorsicht bei Hitze und Trockenheit
Reiten bei Hitze
- Frühe Morgen- oder späte Abendstunden bevorzugen, Mittagshitze meiden
- Aufwärmen lang und ruhig, hohe Belastungen reduzieren
- Häufiger Schritt-Pausen einlegen, Atemfrequenz beobachten
- Nach dem Reiten: Pferd in den Schatten, mit kühlem (nicht eiskaltem) Wasser an Hals, Brust und Beinen abspülen
- Trockenreiten oder Trockengehen, bis Atmung sich beruhigt hat
- Sehr heiße Tage (über 32 °C im Schatten) ohne Beritt lassen, ggf. nur Schrittausritt frühmorgens
- Hitzeempfindliche Rassen wie Friesen und schwere Warmblüter kommen schneller an die Belastungsgrenze
Drei-Sekunden-Regel zum Abkühlen
Sommerekzem erkennen und vorbeugen
- Hauptsymptom: Juckreiz an Mähnenkamm, Schweifrübe, Bauchunterseite
- Auslöser: allergische Reaktion auf Kriebelmücken-Speichel
- Therapie: Mückenschutz konsequent, Ekzemdecke früh in der Saison, hautpflegende Mittel mit Tierarzt abstimmen
- Genetische Disposition: vor allem bei Isländern, Norwegern und Tinkern verbreitet
- Bei akutem Juckreiz Wunden vermeiden: konsequente Decke, keine kratzfreundlichen Strukturen im Stall
Hufe und Boden im Sommer
- Trockene heiße Phasen lassen Hufe spröde werden - regelmäßige Pflege mit Huffett oder Huföl unterstützt
- Nach heißer Trockenheit und plötzlichem Regen drohen Hufe aufzuweichen - Boxenboden trocken halten
- Hufschmied-Intervalle prüfen: 6-8 Wochen üblich, bei brüchigen Hufen ggf. kürzer
- Bei Hufrehe-Risiko Weidezeiten anpassen, Bewegung im Schritt erhalten
Transport bei Hitze
- Möglichst frühe Morgen- oder späte Abendstunden für Fahrten nutzen
- Anhänger nicht in praller Sonne parken - Innentemperaturen steigen schnell auf 40 °C+
- Mehr Pausen einlegen, Wasser anbieten, Schatten suchen
- Heunetze nicht zu voll, damit Atmung nicht durch Staub belastet wird
- Bei extremen Hitzewellen Transporte verschieben - kein Pferd muss bei 35 °C im Auto stehen
Sommer-Checkliste
Häufige Fragen zum Pferd im Sommer
Wie viel Wasser braucht ein Pferd im Sommer?
An normalen Tagen 30-40 Liter, bei Hitze über 30 °C oder starkem Schwitzen 50-80 Liter pro Tag. Mindestens zwei Wasserquellen anbieten, Selbsttränken regelmäßig prüfen und Standtränken im Schatten platzieren.
Darf ich mein Pferd nach dem Reiten kalt abspritzen?
Lauwarmes oder kühles Wasser ist besser als eiskaltes. An Beinen, Hals und Brust beginnen, Rücken erst später kühlen. Sehr kaltes Wasser kann den Kreislauf belasten und Muskelverspannungen begünstigen.
Was hilft gegen Bremsen?
Insektenschutzdecken mit Bauchnetz, Fliegenmasken, hochwertige Bremsen-Sprays und ein Stall mit Insektengittern. Mittagshitze vermeiden, da Bremsen vor allem in der heißen Mittagszeit aktiv sind. Auf der Weide hilft Schatten.
Wie erkenne ich einen Hitzeschlag beim Pferd?
Erhöhte Körpertemperatur über 39,5 °C, schnelle Atmung über 30 Atemzüge pro Minute, Apathie, schwankender Gang, glasiger Blick. Sofort in den Schatten, kühlen mit lauwarmem Wasser, Tierarzt rufen.
Soll mein Pferd im Sommer Tag und Nacht auf der Weide stehen?
Hängt von Hitze, Insekten und Verfügbarkeit von Schatten ab. Bei sehr heißen Tagen ist eine Tag-Stall, Nacht-Weide-Lösung oft besser. Pferde mit Sommerekzem brauchen in Dämmerung Schutz vor Kriebelmücken.
Was tun bei Sonnenbrand am Pferd?
Betroffene Stellen mit lauwarmem Wasser kühlen, mit Aloe-Vera-Gel oder beruhigender Salbe versorgen, Sonne meiden. Vorbeugend hilft Sonnencreme für Pferde mit hohem LSF an Nüstern und weißen Abzeichen.
Welche Pferde leiden besonders unter Hitze?
Friesen, schwere Warmblüter, Kaltblüter und übergewichtige Pferde haben es bei Hitze besonders schwer. Ältere Pferde mit Cushing oder PPID können zudem ein gestörtes Schwitzverhalten (Anhidrose) entwickeln und brauchen besondere Aufmerksamkeit.
Sollte ich im Sommer mehr Heu oder mehr Weide geben?
Bei sehr trockenen Wiesen, Hitze oder hohem Insektendruck ist häufig mehr Heu sinnvoll. Frisches Gras bringt zwar Wasser, kann aber bei zu hohem Fruktanwert (besonders an heißen Tagen mit kalter Nacht) Hufrehe auslösen. Heu zufüttern stabilisiert die Verdauung.
Bei Hitzschlag: Erste Hilfe wissen
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Erste Hilfe beim PferdStand: 2026-05-24 · Letzter Inhalts-Check durch Pferde1.com