Die richtige Futterung ist das Fundament fur ein gesundes und leistungsfahiges Pferd. Dabei geht es langst nicht nur darum, genug Futter in die Krippe zu fullen - sondern um die richtige Zusammensetzung, Menge und den optimalen Zeitpunkt. In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du alles, was du uber artgerechte Pferdefutterung wissen musst.
Grundlagen der Pferdefutterung
Pferde sind von Natur aus Steppentiere, die bis zu 16 Stunden taglich mit Fressen beschaftigt sind. Ihr Verdauungssystem ist auf eine kontinuierliche Aufnahme rohfaserreichen Futters ausgelegt. Die Grundregel lautet: Raufutter vor Kraftfutter - und das in ausreichender Menge.
Raufutter (Heu)
Basis jeder Futterung, mindestens 1,5 kg pro 100 kg Korpergewicht
Kraftfutter
Hafer, Gerste, Musis - je nach Leistungsbedarf
Saftfutter
Karotten, Apfel, Ruben als gesunde Erganzung
Mineralfutter
Calcium, Phosphor, Zink, Selen und Vitamine
Das Pferd als Dauerfresser
Der Magen eines Pferdes ist mit ca. 15 - 20 Litern vergleichsweise klein und produziert rund um die Uhr Magensaure. Langere Fresspausen von mehr als 4 Stunden konnen zu Magengeschwuren fuhren. Deshalb sollte Raufutter moglichst immer verfugbar sein oder die Fresspausen so kurz wie moglich gehalten werden.
Die Verdauung des Pferdes verstehen
Das Verstandnis der Verdauung ist entscheidend fur die richtige Futterung. Der Verdauungstrakt eines Pferdes ist etwa 30 Meter lang und die Passage dauert 24 - 48 Stunden.
- 1.Maul & Speiserohre: Grundliches Kauen (40.000 Kaubewegungen taglich!) zerkleinert das Futter und mischt es mit Speichel, der die Magensaure puffert.
- 2.Magen: Relativ klein (15 - 20 L), nur fur Saure-Aufspaltung. Sollte nie ganz leer oder zu voll sein.
- 3.Dunndarm: Hier werden Starke, Zucker, Proteine und Fette verdaut. Maximal 2 - 3 g Starke pro kg Korpergewicht pro Mahlzeit!
- 4.Dickdarm (Blinddarm & Grimmdarm): Das Herzstuck der Pferdeverdauung! Hier zerlegen Milliarden Mikroorganismen die Rohfaser in fluchtigen Fettsauren - die Hauptenergiequelle des Pferdes.
Raufutter: Heu & Heulage
Raufutter ist das mit Abstand wichtigste Futtermittel fur jedes Pferd. Gutes Heu bildet die Basis einer artgerechten Futterung und liefert den Großteil der benotigten Energie und Nahrstoffe.
Faustformel: Täglicher Heubedarf
1,5 - 2,0 kg Heu pro 100 kg Korpergewicht
Heuqualitat: Welcher Schnitt fur welches Pferd?
| Schnitt | Eigenschaften | Geeignet fur |
|---|---|---|
| 1. Schnitt (fruher Schnitt) | Strukturreich, rohfaserreich, weniger Eiweiß | Freizeitpferde, leichtfuttrige Pferde, Ponys |
| 1. Schnitt (spater Schnitt) | Sehr strukturreich, niedriger Energiegehalt | Pferde mit Stoffwechselproblemen |
| 2. Schnitt | Blattreicher, eiweißreicher, weicher | Sportpferde, Zuchtpferde, Senioren |
| 3. Schnitt | Sehr blattreich, weich, hoher Nahrstoffgehalt | Hochleistungspferde, alte Pferde mit Zahnproblemen |
Heuqualitat erkennen
Gutes Heu erkennst du an folgenden Merkmalen:
- - Frischer, angenehm aromatischer Geruch (kein Muff oder Schimmel!)
- - Grune bis leicht gelbliche Farbe
- - Staubfrei und trocken (unter 14 % Feuchte)
- - Keine Fremdkorper, kein Unkraut, keine Giftpflanzen
- - Viele verschiedene Graser und Krauter sichtbar
Heulage als Alternative
Heulage (Silage aus Gras) kann eine gute Alternative zu Heu sein, besonders fur Pferde mit Atemwegsproblemen, da sie deutlich staubarmer ist. Die Trockenmasse liegt bei 50 - 70 % (Heu: uber 85 %).
+ Vorteile
- - Staubarm, gut bei Atemwegsproblemen
- - Bessere Schmackhaftigkeit
- - Weniger Nahrstoffverluste bei der Ernte
- Nachteile
- - Schnell verderblich nach dem Offnen (max. 2 Tage)
- - Hoherer Energiegehalt (Gefahr der Uberfutterung)
- - Weniger Kauschläge, kurzere Fresszeit
- - Hygiene-Risiko bei schlechter Qualitat
Achtung bei Heulage
Heulage muss nach dem Offnen des Ballens innerhalb von 24 - 48 Stunden verbraucht werden. Angebrochene Ballen durfen niemals in der Sonne lagern. Riecht die Heulage sauer, sußlich oder nach Buttersaure, sofort entsorgen - Botulismus-Gefahr!
Kraftfutter richtig einsetzen
Kraftfutter liefert konzentrierte Energie und ist fur Pferde mit erhöhtem Leistungsbedarf sinnvoll. Aber Vorsicht: Nicht jedes Pferd braucht Kraftfutter! Viele Freizeitpferde sind mit gutem Heu und einem passenden Mineralfutter bestens versorgt.
| Kraftfutterart | Energie | Besonderheit | Empf. Menge |
|---|---|---|---|
| Hafer | Hoch | Bestes Einzelgetreide fur Pferde, leicht verdaulich | 0,5 - 3 kg / Tag |
| Gerste | Mittel-Hoch | Immer gequetscht oder geflockt futtern | 0,5 - 2 kg / Tag |
| Mais | Sehr hoch | Energiereich, arm an Eiweiß, langsam anfuttern | 0,5 - 1,5 kg / Tag |
| Mischfutter / Musli | Variabel | Zusammensetzung prufen, oft viel Zucker und Melasse | nach Herstellerangabe |
Wann braucht mein Pferd Kraftfutter?
Kraftfutter ist sinnvoll, wenn der Energiebedarf durch Heu allein nicht gedeckt werden kann:
- - Sportpferde in regelmassigem Training (ab mittlerer Belastung)
- - Zuchtpferde (tragende und laktierende Stuten)
- - Jungpferde im Wachstum
- - Pferde, die trotz ausreichend Heu abnehmen (Schwerfuttrige)
- - Seniorpferde, die Raufutter nicht mehr gut verwerten konnen
Hafer: Das klassische Pferdefutter
Hafer gilt als das am besten geeignete Einzelgetreide fur Pferde. Er hat ein gunstiges Calcium-Phosphor-Verhaltnis, ist leicht verdaulich und enthält eine naturliche Spelzschicht, die fur ausreichendes Kauen sorgt.
- +Ganze Korner konnen gefuttert werden (bei gesunden Zahnen)
- +Hoher Fettgehalt liefert langsam verfugbare Energie
- +Enthalt Schleimstoffe, die die Magenschleimhaut schutzen
- -Relativ hoher Stärkegehalt - bei empfindlichen Pferden mit Vorsicht
- -Kann bei manchen Pferden zu mehr Temperament fuhren ("haferheiß")
Muslis kritisch prufen
Fertigmuslis sind praktisch, aber lies immer die Zusammensetzung! Viele enthalten hohe Anteile an Melasse, Zucker und billigen Fullstoffen. Ein gutes Pferdmusli sollte unter 10 % Zucker und Starke enthalten und keine kunstlichen Farb- oder Aromastoffe.
Mineralfutter & Vitamine
Selbst bestes Heu deckt selten den kompletten Mineralstoffbedarf. Eine gezielte Erganzung ist fur die meisten Pferde sinnvoll - aber bitte nicht nach dem Gießkannenprinzip!
| Mineralstoff | Funktion | Tagesbedarf | Mangelsymptome |
|---|---|---|---|
| Calcium (Ca) | Knochenaufbau, Muskelkontraktion, Nervenleitung | ca. 30 g / Tag (600 kg Pferd) | Knochenprobleme, Muskelschwache |
| Phosphor (P) | Knochen, Energiestoffwechsel | ca. 18 g / Tag | Wachstumsstorungen, Knochenerweichung |
| Natrium (Na) | Wasserhaushalt, Nervenleitung | ca. 15 - 25 g / Tag | Dehydration, Leistungsabfall |
| Zink (Zn) | Immunsystem, Huf- und Fellqualitat | ca. 400 mg / Tag | Schlechtes Hufhorn, Fellprobleme |
| Selen (Se) | Antioxidans, Muskelschutz | ca. 1 - 2 mg / Tag | Muskelschwache, Immunschwache |
| Vitamin E | Zellschutz, Fruchtbarkeit | ca. 500 - 1.000 IE / Tag | Muskelerkrankungen, Fruchtbarkeitsprobleme |
Vorsicht: Uberdosierung vermeiden!
Mehr ist nicht immer besser! Besonders bei Selen kann eine Uberdosierung toxisch wirken. Auch Eisen sollte nicht zusatzlich gefuttert werden - die meisten Pferde nehmen uber Heu und Gras bereits mehr als genug Eisen auf. Lass im Zweifel eine Blutuntersuchung machen.
Salzleckstein: Reicht das aus?
Ein einfacher Salzleckstein (Natriumchlorid) deckt den Natrium- und Chloridbedarf, aber nicht den Bedarf an Spurenelementen und Vitaminen. Die bunten Minerallecksteine enthalten zwar einige Spurenelemente, aber in zu geringen und unkontrollierten Mengen.
Empfehlung: Weißer Salzleckstein + gezieltes Mineralfutter passend zur Heuanalyse.
Heuanalyse - die beste Investition
Eine Heuanalyse kostet ca. 30 - 60 EUR und zeigt dir exakt, welche Nahrstoffe dein Heu liefert und was fehlt. Auf dieser Basis kannst du ein passgenaues Mineralfutter wahlen. Viele Futterberater bieten eine kostenlose Rationsberechnung an, wenn du eine Heuanalyse mitbringst.
Futterungsplan erstellen
Ein durchdachter Futterungsplan berucksichtigt Gewicht, Leistungsbedarf, Gesundheitszustand und individuelle Besonderheiten deines Pferdes. Hier zeigen wir dir, wie du Schritt fur Schritt einen optimalen Plan erstellst.
Korpergewicht bestimmen
Das Korpergewicht ist die Basis jeder Rationsberechnung. Ideal ist eine Pferdewaage, alternativ kannst du mit einem Maßband schatzen:
Gewicht (kg) = Brustumfang (cm)² x Korperlange (cm) / 11.877
Erhaltungsbedarf berechnen
Der Erhaltungsbedarf ist die Energiemenge, die ein Pferd fur Korpertemperatur, Atmung und grundlegende Lebensfunktionen braucht - ohne jede Arbeit.
- -Erhaltungsbedarf: ca. 0,5 MJ ME pro kg Korpergewicht^0,75
- -Praxisregel: ca. 70 MJ ME fur ein 550 kg schweres Pferd in Erhaltung
Leistungszuschlag ermitteln
Je nach Arbeit benotigt dein Pferd zusatzliche Energie:
Ration zusammenstellen
Nun verteilst du die benotige Energie auf die einzelnen Futtermittel:
- 1.Zuerst Heu: Mindestens 1,5 kg / 100 kg KGW. Heu liefert ca. 6 - 8 MJ ME pro kg.
- 2.Energielucke prufen: Reicht das Heu fur den Gesamtbedarf? Wenn ja, kein Kraftfutter notig!
- 3.Kraftfutter erganzen: Nur die Differenz uber Kraftfutter abdecken. Auf 2 - 3 Mahlzeiten verteilen.
- 4.Mineralfutter: Passend zur Heuanalyse erganzen. Salzleckstein nicht vergessen!
Beispiel-Futterplan: Warmblut 550 kg, leichte Arbeit
- - 3 - 4 kg Heu
- - 30 g Mineralfutter
- - Frisches Wasser kontrollieren
- - 3 - 4 kg Heu
- - Optional: 1 Karotte oder 1 Apfel (in Stucke geschnitten)
- - 4 - 5 kg Heu (großte Portion fur die lange Nacht)
- - Salzleckstein zuganglich
Kein Kraftfutter notig bei leichter Arbeit und gutem Heu!
Futterungszeiten einhalten
Pferde sind Gewohnheitstiere mit einer sehr prazisen inneren Uhr. Futtere moglichst immer zu den gleichen Zeiten - das reduziert Stress und beugt Magengeschwuren vor. Die langste Fresspause (uber Nacht) sollte maximal 6 - 8 Stunden betragen. Langsame Heunetze konnen helfen, die Fresszeit zu verlangern.
Wasser: Die unterschatzte Grundlage
Wasser ist das wichtigste "Futtermittel" uberhaupt. Ein Pferd trinkt durchschnittlich 30 - 60 Liter pro Tag - bei Hitze oder schwerer Arbeit sogar bis zu 80 Liter.
Wasserbedarf
- -Erhaltung: 30 - 40 Liter / Tag
- -Leichte Arbeit: 40 - 50 Liter / Tag
- -Schwere Arbeit: 50 - 70 Liter / Tag
- -Hitze / Laktation: bis 80 Liter / Tag
Wasserqualitat
- -Sauber und frisch - taglich Tranken reinigen
- -Temperatur: 8 - 15 °C (im Winter nicht eiskalt!)
- -Selbsttranken regelmaßig auf Funktion prufen
- -Im Winter: Frostschutz fur Leitungen und Tranken
Wassermangel ist lebensgefahrlich
Schon ein Wasserverlust von 5 % des Korpergewichts fuhrt zu ernsthaften Gesundheitsproblemen. Anzeichen fur Dehydration: Hautfaltentest positiv (Haut bleibt stehen), eingefallene Augen, zaher Speichel, dunkler Urin. Im Zweifel sofort den Tierarzt rufen!
Trinkmotivation steigern
Manche Pferde trinken im Winter zu wenig, weil das Wasser zu kalt ist. Ein beheizter Trog oder lauwarmes Wasser kann die Trinkmenge deutlich erhohen. Auch eine Prise Salz uber das Futter oder ein Mash einmal pro Woche regen den Durst an.
Saisonale Futterung
Die Futterung sollte sich im Laufe des Jahres verandern, denn Weidegang, Temperaturen und Stoffwechsel andern sich mit den Jahreszeiten.
Fruhling (Marz - Mai)
Die kritischste Jahreszeit fur die Futterung! Der Ubergang von Winterfutterung zum frischen Gras muss langsam erfolgen.
- - Weidegang langsam anfuttern (15 Min., taglich steigern)
- - VOR dem Weidegang Heu futtern (bremst Grasaufnahme)
- - Kraftfutter reduzieren bei zunehmendem Weidegang
- - Besonders bei leichtfuttrigen Rassen aufpassen
- - Hufrehe-Risiko: Weidegang nachmittags vermeiden (hoher Fruktangehalt!)
Sommer (Juni - August)
Hauptweidezeit mit viel frischem Gras. Der Fokus liegt auf ausreichend Wasser und Mineralien.
- - Guter Weidegang deckt oft den Energiebedarf
- - Zusatzlich Heu anbieten (Struktur fur die Verdauung)
- - Wasser: bis 60 - 80 Liter taglich bei Hitze!
- - Elektrolyte bei starkem Schwitzen erganzen
- - Mineralfutter weiter futtern (Gras allein reicht nicht)
- - Vor Fliegen und Bremsen schutzen (Stressfaktor!)
Herbst (September - November)
Ubergangszeit von Weide zu Winterfutterung. Das Gras verliert an Nahrstoffen.
- - Heuanteil schrittweise erhohen
- - Herbstgras kann hohe Fruktanwerte haben - Vorsicht!
- - Winterfell wachst: ggf. etwas mehr Energie futtern
- - Giftpflanzen auf der Weide kontrollieren (Eicheln, Ahorn!)
- - Fellwechsel mit Zink und Biotin unterstutzen
Winter (Dezember - Februar)
Reine Heu-Futterung. Pferde brauchen mehr Energie, um ihre Korpertemperatur zu halten.
- - Heumenge erhohen (2 - 2,5 kg / 100 kg KGW bei Kalte)
- - Wasser muss frostfrei und trinkbar sein (nicht eiskalt!)
- - Bei starker Kalte ggf. lauwarmes Mash anbieten
- - Vitamin D kann knapp werden (wenig Sonne)
- - Heu-Verdauung erzeugt Warme - deshalb nie am Heu sparen!
Die Heuverdauung als Heizung
Wusstest du, dass die Fermentation von Heu im Dickdarm Warme erzeugt? Diese sogenannte Fermentationswarme ist ein wichtiger Beitrag zur Thermoregulation im Winter. Ein Pferd, das ausreichend Heu bekommt, friert weniger als eines mit einer teuren Decke aber zu wenig Raufutter!
Die haufigsten Futterungsfehler
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Diese Fehler sehen wir in der Praxis immer wieder - und sie konnen schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
Zu wenig Raufutter
Weniger als 1,5 kg Heu pro 100 kg Korpergewicht. Pferde brauchen stundenlange Kaubeschaftigung fur ihre Verdauung und psychische Gesundheit.
Losung: Mindestens 1,5 - 2 kg Heu pro 100 kg Korpergewicht taglich. Bei Futterneid langsame Heunetze verwenden.
Zu viel Kraftfutter auf einmal
Große Kraftfutterportionen uberlasten den Dunndarm. Unvollstandig verdaute Starke gelangt in den Dickdarm und kann Koliken und Hufrehe auslosen.
Losung: Maximal 0,5 kg Kraftfutter pro 100 kg Korpergewicht pro Mahlzeit. Lieber kleine Portionen uber den Tag verteilen.
Plotzlicher Futterwechsel
Die Darmflora des Pferdes braucht 2 - 3 Wochen, um sich an neues Futter anzupassen. Abrupte Wechsel fuhren zu Verdauungsstorungen.
Losung: Neues Futter schrittweise uber 10 - 14 Tage einschleichen. Gilt auch fur neue Heuballen oder den Weidegang im Fruhling!
Futterung direkt vor oder nach Arbeit
Ein voller Magen schrankt die Atmung ein und die Durchblutung der Verdauungsorgane wird bei Bewegung reduziert.
Losung: Mindestens 1 Stunde Pause nach der Kraftfuttergabe vor dem Reiten. Heu darf dagegen ad libitum verfugbar sein.
Fehlende Mineralstofferganzung
Heu allein deckt selten den kompletten Mineralstoffbedarf. Besonders Zink, Selen, Kupfer und Vitamin E fehlen haufig.
Losung: Heuanalyse durchfuhren lassen und gezielt mit einem passenden Mineralfutter erganzen. Lecksteine allein reichen nicht!
Zu viel Gras im Fruhling
Frisches Fruhlingsgras enthalt extrem viel Zucker (Fruktan). Besonders gefahrlich fur ubergewichtige Pferde und solche mit Hufrehe-Vorgeschichte.
Losung: Weidegang langsam anfuttern: erst 15 Minuten, dann taglich steigern. Beweidung bevorzugt am spaten Abend oder fruhen Morgen.
Hufrehe durch falsche Futterung
Hufrehe ist eine der gefahrlichsten Folgen von Futterungsfehlern. Zu viel Getreide, zu viel frisches Gras oder plotzliche Futterwechsel konnen akute Hufrehe auslosen. Besonders gefahrdet sind ubergewichtige Pferde, Ponys und Rassen mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS). Mehr zur richtigen Pflege findest du in unserem Pferdepflege-Ratgeber.
Spezielle Bedurfnisse: Senior & Sportpferd
Nicht jedes Pferd kann nach dem gleichen Schema gefuttert werden. Alter, Leistungsniveau und gesundheitliche Besonderheiten erfordern individuelle Anpassungen.
Seniorpferde (ab ca. 18 - 20 Jahre)
Altere Pferde haben haufig Zahnprobleme, eine verminderte Verdauungsleistung und einen verlangsamten Stoffwechsel. Die Futterung muss entsprechend angepasst werden.
Typische Herausforderungen
- -Zahnprobleme: Heu kann nicht mehr gut gekaut werden
- -Schlechtere Nahrstoffverwertung im Darm
- -Muskelabbau trotz ausreichend Futter
- -Anfalliger fur Cushing (PPID) und EMS
Losungen & Anpassungen
- +Heucobs (eingeweicht) als Heu-Ersatz bei Zahnproblemen
- +Leicht verdauliches Eiweiß (Luzerne, Sojaschrot)
- +Ol fur zusatzliche Energie (Leinol, 50 - 150 ml/Tag)
- +Erhohter Mineralstoffbedarf beachten
Sportpferde in regelmassigem Training
Sportpferde haben einen deutlich hoheren Energiebedarf und verlieren uber den Schweiß vermehrt Elektrolyte. Gleichzeitig ist eine stabile Verdauung fur die Leistungsfahigkeit entscheidend.
Erhohter Bedarf
- -Energie: +50 bis +100 % uber Erhaltungsbedarf
- -Eiweiß: Fur Muskelaufbau und -regeneration
- -Elektrolyte: Natrium, Kalium, Chlorid bei Schwitzen
- -Antioxidantien: Vitamin E & Selen fur Muskelschutz
Futterungstipps
- +Hafer als bewährtes Sportpferde-Kraftfutter
- +Pflanzenol als fettreiche Energiequelle (statt mehr Getreide)
- +Kraftfutter auf 3 - 4 kleine Mahlzeiten verteilen
- +Nach dem Training: erst Wasser, dann Heu, dann Kraftfutter
Weitere Sonderfalle
Auch diese Pferde brauchen eine angepasste Futterung:
- - Tragende Stuten: Im letzten Drittel steigt der Energiebedarf um 20 - 30 %
- - Laktierende Stuten: Hochster Energiebedarf uberhaupt (+60 - 80 %)
- - Pferde mit EMS/Cushing: Zucker- und starkearme Ration, kein Weidegang ohne Maulkorb
- - Pferde nach Kolik-OP: Langsamer Aufbau unter tierarztlicher Anleitung
- - Schwerfuttrige Pferde: Hochwertige Energiequellen, Magengeschwure ausschließen
Bei der Anschaffung eines Pferdes sollte die zukunftige Futterung bereits eingeplant werden. In unserem Ratgeber zum Pferdekauf findest du Tipps, worauf du achten solltest. Und die laufenden Futterkosten haben wir im Kosten-Ratgeber detailliert aufgeschlusselt.
Haufig gestellte Fragen
Wie viel Heu braucht mein Pferd pro Tag?
Die Faustregel lautet 1,5 - 2,0 kg Heu pro 100 kg Korpergewicht. Ein 550 kg schweres Warmblut braucht also 8 - 11 kg Heu taglich. Im Winter oder bei fehlendem Weidegang eher mehr. Weniger als 1,5 kg pro 100 kg sollte es niemals sein!
Braucht jedes Pferd Kraftfutter?
Nein! Viele Freizeitpferde und leichtfuttrige Rassen (z. B. Isländer, Haflinger, Ponys) sind mit gutem Heu und einem Mineralfutter bestens versorgt. Kraftfutter ist nur notig, wenn der Energiebedarf durch Heu allein nicht gedeckt werden kann - also bei Sport, Zucht oder schwerfuttrigen Pferden.
Ist Heulage besser als Heu?
Nicht pauschal. Heulage ist staubarmer und daher gut fur Pferde mit Atemwegsproblemen. Allerdings hat sie einen hoheren Energiegehalt, eine kurzere Haltbarkeit nach dem Offnen und liefert weniger Kauschläge. Fur die meisten gesunden Pferde ist gutes, staubarmes Heu die bessere Wahl.
Wie oft sollte ich mein Pferd futtern?
Idealerweise mindestens 3 - 4 Mal taglich Raufutter und Kraftfutter auf 2 - 3 Mahlzeiten verteilt. Die langste Fresspause (uber Nacht) sollte nicht langer als 6 - 8 Stunden sein. Am besten ist ad-libitum-Heu oder der Einsatz von langsamen Heunetzen.
Was kostet Pferdefutter im Monat?
Die Futterkosten liegen bei ca. 80 - 200 EUR pro Monat, abhangig von Heu-Qualitat, Kraftfutterbedarf und Region. Detaillierte Kostenaufstellungen findest du in unserem Kosten-Ratgeber fur Pferdehaltung.
Was ist eine Heuanalyse und brauche ich eine?
Eine Heuanalyse untersucht den Nahrstoffgehalt deines Heus im Labor (Energie, Eiweiß, Mineralstoffe, Zucker). Sie kostet ca. 30 - 60 EUR und ist die Grundlage fur eine optimale Rationsgestaltung. Besonders empfehlenswert, wenn du Mineralfutter gezielt einsetzen mochtest.
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