Warum impfen?
Impfungen sind die wirkungsvollste Maßnahme, schwere Pferdekrankheiten zu vermeiden. Tetanus, Influenza und Herpes können ohne Impfschutz schnell zu lebensbedrohlichen Situationen führen - mit hohen Behandlungskosten, oft monatelangen Krankheitsverläufen und im schlimmsten Fall dem Verlust des Pferdes. Eine konsequent geführte Impfreihe schützt nicht nur das eigene Tier, sondern auch alle Pferde im selben Stall.
Die Empfehlungen der StIKo Vet (Ständige Impfkommission Veterinärmedizin) am Friedrich-Loeffler-Institut sind der maßgebliche Leitfaden in Deutschland. Tierärzte richten sich danach bei der Beratung, und Pensionsställe verlangen entsprechende Nachweise. Wer regelmäßig Turniere reitet, ist außerdem an das FN-Reglement gebunden.
Impfschutz ist kein Selbstläufer
StIKo Vet Empfehlungen im Überblick
Die StIKo Vet unterscheidet Kernimpfungen, die jedem Pferd empfohlen werden, von Bedarfsimpfungen, die sich nach Region, Nutzung und Risiko richten:
| Krankheit | Kategorie | Auffrischung | Risiko |
|---|---|---|---|
| Tetanus | Kernimpfung | alle 2-3 Jahre | Lebensbedrohlich bei jeder Wunde |
| Influenza | Kernimpfung | alle 6 Monate (Turnier) / jährlich (Freizeit) | Hochansteckend, Leistungsabfall |
| Herpes EHV-1/4 | Bedarfsimpfung | alle 6 Monate | Atemwege, Abort, selten Neurologie |
| Druse | Bedarfsimpfung | jährlich, in Risikobetrieben | Hochansteckend, Quarantäne |
| Tollwut | Bedarfsimpfung | alle 2-3 Jahre | Lebensbedrohlich, Reiseanforderung |
| West-Nil-Virus | Bedarfsimpfung | jährlich (Frühjahr) | Neurologische Erkrankung, regional zunehmend |
Tetanus (Wundstarrkrampf)
Tetanus wird durch das Bakterium Clostridium tetani ausgelöst, das in Erde, Mist und Staub praktisch überall vorkommt. Bereits kleinste Verletzungen können zur Infektion führen. Die Krankheit ist für ungeimpfte Pferde nahezu immer tödlich. Tetanus gilt deshalb als die absolute Pflichtimpfung.
- Grundimmunisierung: 2 Impfungen im Abstand von 4-6 Wochen, dritte nach 6 Monaten
- Auffrischung alle 2-3 Jahre, bei Wunden im Zweifel früher
- Tetanus-Schutz ist alternativlos: ohne Impfung kann bereits eine kleine Wunde tödlich enden
- Häufig kombiniert mit Influenza-Impfung in einem Termin
- Lebenslang erforderlich, kein Pferd ist zu alt für die Auffrischung
Nach Wunden Impfschutz prüfen
Influenza (Pferdegrippe)
Equine Influenza ist hochansteckend. Bereits ein Turnier oder Pensionsstall-Wechsel reicht für eine schnelle Ausbreitung. Geimpfte Pferde erkranken seltener und milder. Für Turnierpferde ist die Influenza-Impfung nach FN-Reglement Voraussetzung für die Startberechtigung.
- Grundimmunisierung: 3 Impfungen (1., 2. nach 4-6 Wochen, 3. nach 6 Monaten)
- Halbjährliche Auffrischung für Turnierpferde Pflicht in vielen Verbänden
- Jährliche Auffrischung für Freizeitpferde mit Kontakt zu fremden Pferden
- Reine Hauspferde mit minimalem Kontakt: jährlich empfohlen, mindestens regelmäßig nachholen
- FN-Regelwerk verlangt Impfung 7-365 Tage vor Turnierstart
Termine mit Turniersaison synchronisieren
Herpes (EHV-1 und EHV-4)
Equine Herpesviren sind weit verbreitet. Während EHV-4 vor allem Atemwegserkrankungen verursacht, kann EHV-1 zusätzlich Aborte bei Stuten und in seltenen Fällen die schwere neurologische Form EHM auslösen. Wiederholte Ausbrüche - zuletzt in Valencia - haben gezeigt, wie schnell die Krankheit ganze Reitsporthochburgen lahmlegen kann.
- EHV-1 verursacht Atemwegserkrankungen, Aborte und in seltenen Fällen die neurologische Form (EHM)
- EHV-4 vor allem für Atemwege relevant
- Grundimmunisierung mit 2-3 Impfungen, Auffrischung alle 6 Monate für Risikopferde
- Wichtig für Zuchtstuten: Impfungen im 5., 7. und 9. Trächtigkeitsmonat reduzieren Abortrisiko
- Aktuelle Ausbrüche zeigen, dass Impfung allein nicht reicht - Quarantänekonzepte ergänzen
Impfung allein reicht nicht
Druse (Streptococcus equi)
Druse ist eine bakterielle Erkrankung der oberen Atemwege mit charakteristischer Lymphknotenschwellung am Kehlgang. Sie ist hochansteckend und kann ganze Bestände betreffen. Eine Impfung ist möglich, der Schutz ist jedoch nicht vollständig - sie reduziert vor allem Schweregrad und Ausbreitungsrisiko.
- Streptococcus equi - hochansteckend über Tröpfchen, Wasser und Kontakt
- Inkubationszeit 3-14 Tage, Quarantäne nach Kontakt mehrere Wochen
- Impfstoffe verfügbar, aber Wirksamkeit und Anwendung individuell zu prüfen
- Sinnvoll in Risikoregionen, bei häufigem Pensionsstall-Wechsel oder Turnierreisen
- Hygiene, Neuzugangs-Quarantäne und Stallapotheke ergänzen die Impfung
Tollwut
Deutschland gilt seit Jahren als tollwutfrei. Die Impfung ist dennoch in Grenzregionen, bei Pferdeimporten oder bei Reisen in betroffene Länder wichtig. Tollwut ist für Mensch und Tier tödlich, ein Ausbruch zieht erhebliche behördliche Maßnahmen nach sich.
- Deutschland ist seit Jahren tollwutfrei, dennoch in Grenzregionen sinnvoll
- Pflicht für Pferde, die in tollwutbetroffene Länder reisen oder dort verbleiben
- Auffrischung alle 2-3 Jahre, Eintrag im Equidenpass erforderlich
- Wichtig bei Pferdeimport aus dem Ausland oder Sportreisen in betroffene Länder
West-Nil-Virus (WNV)
Das West-Nil-Virus wird durch Stechmücken übertragen und breitet sich seit 2018 in Deutschland aus. Besonders Ostdeutschland verzeichnet steigende Fallzahlen. Pferde können neurologische Symptome wie Ataxien oder Lähmungen entwickeln. Die Impfung ist in betroffenen Regionen mittlerweile Standard.
- West-Nil-Virus breitet sich seit 2018 in Deutschland aus, vor allem Ostdeutschland
- Übertragung durch Stechmücken im Sommerhalbjahr
- Grundimmunisierung in den ersten beiden Lebensjahren oder vor erster Saison in Risikoregionen
- Jährliche Auffrischung im Frühjahr vor Mückensaison
- Tierärzte beraten regional, ob WNV-Impfung empfohlen ist - die Liste betroffener Landkreise wächst
Impfschema nach Lebensphase
Die Impfanforderungen ändern sich mit Alter, Nutzung und Lebenssituation des Pferdes. Diese Übersicht zeigt die typischen Schemata:
Fohlen (bis 6 Monate)
Maternale Antikörper schützen anfangs. Erste Impfungen ab ca. 5-6 Monaten, abhängig von Impfstatus der Mutter und Tierärztliche Empfehlung.
Jungpferd (6-24 Monate)
Grundimmunisierung Tetanus, Influenza, ggf. Herpes vollständig abschließen. Bei Turnierambitionen Influenza-Schema strikt nach FN.
Sportpferd (3-15 Jahre)
Tetanus alle 2-3 Jahre, Influenza halbjährlich (Turnier) oder jährlich, ggf. Herpes halbjährlich, WNV jährlich in Risikoregionen.
Zuchtstute
Plus EHV im 5., 7., 9. Trächtigkeitsmonat, Tetanus ca. 4 Wochen vor Geburt für Kolostrum-Schutz des Fohlens.
Senior (ab 15 Jahre)
Impfprogramm fortführen. Auffrischungen werden manchmal vernachlässigt - Senioren haben durch nachlassendes Immunsystem aber erhöhtes Risiko.
Ablauf und Dokumentation
- Tierarzt-Termin idealerweise mit Allgemeinuntersuchung und Equidenpass kombinieren
- Pferd sollte zum Impftermin gesund sein - kein akuter Infekt, keine offenen Wunden, kein Stress vor wenigen Stunden
- Vor und nach Impfung 1-2 Tage moderate Belastung, kein hartes Training
- Tierarzt dokumentiert Impfstoff, Charge, Datum und Verfallsdatum im Equidenpass
- Eigentlicher Eintrag muss Unterschrift und Stempel des Tierarztes enthalten
- Equidenpass an einem festen Ort aufbewahren, Kopie der Impfseiten griffbereit
- Termine im Kalender notieren - jede Impfung verfällt bei zu später Auffrischung und muss komplett neu begonnen werden
Equidenpass ist das Impfprotokoll
Nebenwirkungen und Sicherheit
Moderne Impfstoffe sind gut verträglich. Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen will, beobachtet die ersten 24 Stunden nach Impfung und vermeidet schwere Belastung:
- Leichte Schwellung an der Einstichstelle: häufig, klingt nach 1-2 Tagen ab
- Müdigkeit, leichte Fressunlust am Impftag: möglich, normal
- Leicht erhöhte Temperatur in den ersten 24 Stunden: in der Regel unbedenklich
- Steifheit im betroffenen Muskel: kurzfristig möglich, mit leichter Bewegung lösbar
- Schwere Reaktionen wie hohe Schwellung, Fieber über 39 °C, Apathie: tierärztlich abklären
- Anaphylaxie sehr selten - direkt nach Impfung 15 Minuten beobachten und Tierarzt erreichbar halten
Impftag-Routine
Kosten realistisch einschätzen
Die Kosten variieren regional und nach Praxis. Diese Richtwerte helfen bei der Budgetplanung:
| Leistung | Richtwert |
|---|---|
| Tetanus-Impfung (Einzelimpfung) | 25-45 € |
| Influenza-Impfung | 30-50 € |
| Tetanus + Influenza kombiniert | 45-70 € |
| Herpes-Impfung (EHV) | 40-65 € |
| Druse-Impfung | 50-80 € |
| West-Nil-Virus | 60-90 € |
| Tierärztliche Anfahrtspauschale | 25-60 € (regional sehr unterschiedlich) |
| Jahresimpfungen typisch (Tetanus/Influenza) | 60-110 € inklusive Untersuchung |
Sammeltermine im Stall sparen Anfahrtspauschalen
Häufige Fragen zu Pferdeimpfungen
Welche Pferdeimpfungen sind in Deutschland Pflicht?
Tetanus gilt als Kernimpfung und ist faktisch alternativlos. Influenza ist für Turnierpferde nach FN-Reglement Pflicht. Eine generelle gesetzliche Impfpflicht für alle Pferde existiert in Deutschland nicht - Tierärzte und Pensionsställe können aber eigene Vorgaben machen.
Wie oft muss ich mein Pferd impfen?
Tetanus alle 2-3 Jahre, Influenza alle 6 Monate (Turnier) bis 12 Monate (Freizeit), Herpes alle 6 Monate für Risikopferde, weitere Impfungen je nach Lebensphase und Region. Genauer Plan immer mit Haustierarzt abstimmen.
Was passiert, wenn ich eine Impfung vergesse?
Bei kurzer Überschreitung des Intervalls ist meist eine Auffrischung ausreichend. Wer mehrere Jahre nicht geimpft hat, muss die komplette Grundimmunisierung wiederholen. Für Turnierpferde greift das FN-Reglement: Influenza muss in vorgegebenem Zeitfenster geimpft sein, sonst kein Startrecht.
Was kostet ein Impftermin?
Eine Standard-Kombination Tetanus/Influenza liegt typischerweise bei 60-110 € inklusive Anfahrt und Allgemeinuntersuchung. Zusätzliche Impfungen wie Herpes oder WNV kommen mit 40-90 € pro Impfung hinzu. Praxisbesuche im Stall sind meist günstiger als ambulante Klinikbesuche.
Sind Impfungen für Pferde gefährlich?
Moderne Impfstoffe sind sehr gut verträglich. Leichte Reaktionen wie Schwellung oder Müdigkeit am Impftag sind normal. Schwere Reaktionen sind sehr selten. Wichtig ist, das Pferd nicht im akuten Krankheitsstadium oder direkt vor schweren Belastungen zu impfen.
Wer haftet bei Impfreaktionen?
Bei tierärztlicher Standardanwendung mit zugelassenem Impfstoff trägt der Halter das Risiko. Eine Tierhalterhaftpflicht greift bei Schäden, die das Pferd anderen zufügt. Behandlungskosten bei Reaktionen werden ggf. von der Pferdeversicherung übernommen, abhängig vom Vertrag.
Was bedeutet StIKo Vet?
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut erstellt regelmäßig Leitlinien für Tierimpfungen. Sie unterscheidet Kernimpfungen (Tetanus, Influenza) und Bedarfsimpfungen (regional/risiko-abhängig) und ist die wichtigste Referenz für deutsche Tierärzte.
Brauche ich West-Nil-Virus Impfung in Deutschland?
In Ostdeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Thüringen) zunehmend empfohlen. In anderen Bundesländern bisher nicht flächendeckend, der Tierarzt vor Ort kennt aktuelle Ausbruchszahlen. Pferde, die in Risikoregionen umziehen oder dort Turniere starten, sollten geimpft sein.
Impf-Checkliste
Krankheiten besser einordnen
Im Krankheits-Überblick finden Sie Symptome, Ursachen und Vorbeugung der Erkrankungen, die diese Impfungen verhindern sollen.
Pferdekrankheiten ÜbersichtStand: 2026-05-24 · Dieser Ratgeber orientiert sich an den aktuellen StIKo Vet Empfehlungen und ersetzt keine tierärztliche Beratung.