Die richtige Pflege ist das A und O für die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihres Pferdes. Eine gründliche Pflegeroutine stärkt nicht nur die Bindung zwischen Mensch und Tier, sondern hilft auch, Erkrankungen und Verletzungen frühzeitig zu erkennen. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über die tägliche Pferdepflege - von den Grundlagen bis zu Expertentipps.
Tägliche Pflegeroutine: So pflegen Sie Ihr Pferd richtig
Eine feste Pflegeroutine gibt Ihrem Pferd Sicherheit und hilft Ihnen, nichts Wichtiges zu übersehen. Idealerweise sollte die tägliche Pflege etwa 30-45 Minuten dauern. Hier ist Ihre Schritt-für-Schritt-Anleitung:
Begrüßen & Kontrollieren
Sprechen Sie Ihr Pferd ruhig an. Prüfen Sie den Allgemeinzustand: Augen klar? Gleichmäßig belastet auf allen vier Beinen? Fresslust vorhanden?
Hufe auskratzen
Alle vier Hufe von der Ferse zur Zehe auskratzen. Strahlfurchen auf Fäulnis kontrollieren. Auf eingetretene Steine, Risse oder Veränderungen achten.
Striegeln
Mit dem Gummistriegel in kreisenden Bewegungen Schmutz und lose Haare lösen. Am Hals beginnen, über Rücken und Kruppe zu den Beinen arbeiten. Am Kopf nur sanft.
Bürsten
Erst mit der harten Kardätsche in Fellrichtung den groben Schmutz entfernen, dann mit der weichen Kardätsche nacharbeiten. Ergebnis: glänzendes, sauberes Fell.
Mähne & Schweif
Vorsichtig mit den Fingern oder einem grobzinkigen Kamm entwirren. An den Spitzen beginnen und nach oben arbeiten. Niemals reißen - das bricht die Haare.
Empfindliche Stellen reinigen
Augenwinkel und Nüstern mit feuchtem Schwamm säubern. Ohren kontrollieren. Im Sommer besonders auf Insektenstiche und Ekzeme achten.
Tipp für Anfänger
Lassen Sie sich die Pflegeroutine anfangs von einem erfahrenen Reiter zeigen. Jedes Pferd hat empfindliche Stellen, an denen es nicht gerne berührt wird. Lernen Sie Ihr Pferd kennen und passen Sie die Pflege entsprechend an.
Fellpflege im Detail: Mehr als nur Bürsten
Das Fell Ihres Pferdes ist ein wichtiger Indikator für seinen Gesundheitszustand. Glänzendes, gleichmäßiges Fell deutet auf gute Gesundheit hin, während stumpfes, struppiges Fell auf Mangelernährung, Parasitenbefall oder andere Probleme hinweisen kann.
Fellwechsel im Frühjahr
- Täglich intensiv striegeln, um loses Winterfell zu entfernen
- Fellwechselkur mit Biotin und Zink unterstützend füttern
- Auf kahle Stellen oder Hautveränderungen achten (Pilz, Ekzem)
- Dauer: ca. 4-6 Wochen, je nach Rasse und Witterung
Winterfell ab Herbst
- Ab September/Oktober beginnt der Aufbau des Winterfells
- Weniger häufig waschen, um die natürliche Fettschicht zu erhalten
- Bei Sportpferden Teilschur erwägen (Decke dann Pflicht)
- Scheren nur bei gut gehaltenen, regelmäßig gerittenen Pferden
Pferd waschen - wann und wie?
Waschen Sie Ihr Pferd nur bei warmem Wetter (über 15 °C) und lassen Sie es anschließend komplett trocknen. Verwenden Sie mildes Pferdeshampoo und spülen Sie gründlich nach. Zu häufiges Waschen zerstört die natürliche Fettschicht des Fells und macht es anfällig für Regen und Kälte. Im Winter genügt meist trockenes Putzen.
Hufpflege: Ohne Huf kein Pferd
Der Spruch „Ohne Huf kein Pferd“ ist kein Klischee, sondern bittere Wahrheit. Hufprobleme sind eine der häufigsten Ursachen für Lahmheiten und können bei Vernachlässigung chronisch werden. Die tägliche Hufpflege ist daher eine der wichtigsten Aufgaben jedes Pferdebesitzers.
Tägliche Hufkontrolle - Checkliste
Achtung: Strahlfäule erkennen
Strahlfäule erkennen Sie an einem üblen, fauligen Geruch beim Auskratzen und an einer weichen, schwarzen Masse in den Strahlfurchen. Ursachen sind mangelnde Hygiene, zu wenig Bewegung und nasse Einstreu. Bei ersten Anzeichen den Huf gründlich reinigen, mit Jod oder speziellen Strahlfäule-Mitteln behandeln und den Hufschmied konsultieren.
Beschlag oder Barhuf?
Hufbeschlag
- + Schutz auf hartem Untergrund und Asphalt
- + Therapeutische Beschläge bei Hufproblemen möglich
- + Gripverbesserung durch Stollen (Turnier, Gelände)
- - Neubeschlag alle 6-8 Wochen nötig (Kosten: 80-150 €)
- - Einschränkung des natürlichen Hufmechanismus
Barhuf
- + Natürlicher Hufmechanismus bleibt erhalten
- + Bessere Durchblutung und Hornqualität
- + Geringere Kosten (Ausschneiden: 30-50 €)
- - Umstellungsphase kann Monate dauern
- - Nicht für alle Pferde/Nutzungsarten geeignet
Richtige Fütterung: Was Pferde wirklich brauchen
Pferde sind Dauerfresser - ihr Verdauungssystem ist auf kontinuierliche, faserreiche Nahrungsaufnahme ausgelegt. Zu lange Fresspausen (über 4 Stunden) können zu Magengesäuren, Koliken und Verhaltensstörungen führen. Die Basis jeder Pferdefütterung ist hochwertiges Raufutter.
| Futterart | Menge/Tag (600 kg Pferd) | Funktion |
|---|---|---|
| Heu (Raufutter) | 9-12 kg | Basis der Ernährung, Rohfaser für die Darmgesundheit |
| Kraftfutter (Hafer, Müsli) | 0-3 kg je nach Leistung | Energiezufuhr für Sport- und Arbeitspferde |
| Mineralfutter | nach Herstellerangabe | Ausgleich von Mineralstoff- und Vitaminmangel |
| Salzleckstein | frei zugänglich | Natrium- und Chloridversorgung |
| Wasser | 30-60 Liter | Frisch, sauber, jederzeit verfügbar |
Vorsicht bei Fütterungsfehlern
Die häufigsten Fütterungsfehler: zu viel Kraftfutter bei zu wenig Bewegung (Risiko: Hufrehe, Stoffwechselprobleme), zu wenig Raufutter (Risiko: Magengeschwüre, Kolik), zu schnelle Futterumstellung (Risiko: Kolik, Durchfall) und verschimmeltes Heu (Risiko: Atemwegserkrankungen, Kolik). Jede Futterumstellung sollte über mindestens 2 Wochen schrittweise erfolgen.
Gesundheitsvorsorge: Vorbeugen statt Heilen
Regelmäßige Gesundheitsvorsorge ist günstiger als teure Behandlungen und schont vor allem Ihr Pferd. Erstellen Sie einen Jahresplan für alle wichtigen Termine.
Impfungen
Jährlich (Tetanus, Influenza), ggf. HerpesPflicht für Turnierpferde (FN-Vorschrift). Tetanus und Influenza sind auch für Freizeitpferde dringend empfohlen. Herpes-Impfung wird zunehmend von Stallgemeinschaften gefordert.
Kosten: 60-120 € pro Impfung
Entwurmung
Nach Kotprobenuntersuchung (selektiv), 2-4x/JahrModerne Empfehlung: Kotprobe erst untersuchen lassen, dann gezielt entwurmen. Vermeidet Resistenzen und spart Kosten. Im Herbst auf Magendasseln prüfen.
Kosten: 15-30 € pro Wurmkur, 20-30 € Kotprobe
Hufschmied / Hufbearbeitung
Alle 6-8 WochenRegelmäßiger Beschlag oder Ausschneiden ist unverzichtbar. Zu lange Intervalle führen zu Fehlstellungen und Hufproblemen, die schwer zu korrigieren sind.
Kosten: 30-50 € (Barhuf), 80-150 € (Beschlag)
Zahnkontrolle
1-2x jährlichPferdezähne wachsen lebenslang nach und können scharfe Kanten bilden. Symptome: Futterverlust beim Kauen, Kopfschiefhaltung, Widerstand gegen das Gebiss.
Kosten: 80-200 € je nach Aufwand
Sattelanpassung
1-2x jährlich, nach Trainings- oder GewichtsänderungEin schlecht sitzender Sattel verursacht Rückenprobleme, Verspannungen und Rittigkeitsprobleme. Besonders nach dem Winter oder bei jungen Pferden häufiger prüfen.
Kosten: 30-80 € Sattelcheck
Notfall-Checkliste
Speichern Sie folgende Nummern griffbereit in Ihrem Handy:
- Haustierarzt (Routinebesuche und leichte Fälle)
- Tierklinik mit 24h-Notdienst (für Koliken, schwere Verletzungen)
- Hufschmied (verlorenes Eisen, akute Hufprobleme)
- Pferdezahnarzt / Dentalpraktiker
- Physiotherapeut / Osteopath (bei Bewegungsproblemen)
Stallhygiene & artgerechte Haltung
Ein sauberer, gut belüfteter Stall ist die Grundlage für ein gesundes Pferd. Atemwegserkrankungen durch Ammoniak und Schimmelpilzsporen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Stallpferden.
Tägliche Stallpflege
- • Äpfel und nasse Stellen entfernen
- • Frische Einstreu nachstreuen
- • Tränke auf Funktion und Sauberkeit prüfen
- • Futtertrog reinigen
- • Für Durchlüftung sorgen (keine Zugluft)
Wöchentliche Aufgaben
- • Komplettes Ausmisten (Matratze durcharbeiten)
- • Stallwände und Gitter kontrollieren
- • Tränke gründlich reinigen
- • Putzzeug säubern und desinfizieren
- • Paddock/Auslauf auf Gefahrenquellen prüfen
Haltungsformen
- • Boxenhaltung: Täglicher Auslauf nötig
- • Offenstall: Artgerecht, mehr Sozialkontakt
- • Aktivstall: Fördert Bewegung, modern
- • Weidehaltung: Naturnah, saisonal
- • Paddock Trail: Simuliert natürliche Wege
Einstreu-Vergleich
Stroh: Günstig, fressbar (Vorsicht bei Stauballergikern) | Späne: Staubarm, gut saugfähig, teurer | Pellets: Sehr saugfähig, platzsparend zu lagern | Leinenstroh: Extrem saugfähig, staubarm, hochpreisig. Für Pferde mit Atemwegsproblemen empfehlen sich Späne oder Pellets statt Stroh.
Pflege im Jahresverlauf
Jede Jahreszeit stellt besondere Anforderungen an die Pferdepflege. Hier finden Sie die wichtigsten saisonalen Aufgaben:
Frühling (März - Mai)
- • Fellwechsel unterstützen - täglich intensiv striegeln
- • Anweiden langsam beginnen (15 Min./Tag, steigern)
- • Weide auf Giftpflanzen kontrollieren (Jakobskreuzkraut!)
- • Impftermine planen und durchführen
- • Erste Kotprobe zur Entwurmung einschicken
- • Sattel nach dem Winter anpassen lassen
Sommer (Juni - August)
- • Fliegenschutz: Fliegenmaske, -spray, -decke
- • Ausreichend Wasser bereitstellen (erhöhter Bedarf)
- • Schattenplätze auf der Weide sicherstellen
- • Auf Sommerekzem achten (besonders bei Isländern)
- • Reitzeiten in die kühleren Morgen-/Abendstunden verlegen
- • Bremsen- und Zeckenkontrolle nach dem Ausritt
Herbst (September - November)
- • Winterfell wächst - Entscheidung über Eindecken/Scheren
- • Paddock und Auslauf winterfest machen (Drainage)
- • Kotprobe auf Magendasseln (nach dem ersten Frost)
- • Heu-Vorrat prüfen und bei Bedarf nachkaufen
- • Beleuchtung im Stall prüfen (kürzere Tage)
- • Reflexbänder und Lichter für Ausritte in der Dämmerung
Winter (Dezember - Februar)
- • Tränken mehrmals täglich auf Eisbildung prüfen
- • Ausreichend Raufutter - erhöhter Energiebedarf bei Kälte
- • Decken täglich kontrollieren (Scheuerstellen, Nässe)
- • Bewegung auch bei Kälte sicherstellen
- • Hufe besonders sorgfältig auf Schneeballen kontrollieren
- • Stallbelüftung trotz Kälte gewährleisten
Putzzeug & Ausrüstung: Was Sie wirklich brauchen
Die richtige Ausrüstung macht die Pferdepflege einfacher und effektiver. Hier die Grundausstattung mit Preisangaben:
Putzbox/-tasche
PflichtOrganisation aller Utensilien
Gummistriegel
PflichtSchmutz und Haare lösen
Harte Kardätsche (Wurzelbürste)
PflichtGroben Schmutz entfernen
Weiche Kardätsche
PflichtFeinarbeit, empfindliche Stellen
Hufkratzer
PflichtHufe auskratzen, tägliche Kontrolle
Mähnenkamm / Schweifbürste
PflichtMähne und Schweif entwirren
Schwamm (2 Stück)
PflichtAugen/Nüstern, Geschlechtsteile
Fellglanzspray
Optischer Glanz, Schweifpflege
Abschwitzdecke
Nach dem Reiten/Waschen trocknen
Huffett / Huföl
Hufpflege bei trockenen Hufen
Spartipp
Eine gute Grundausstattung (Putzbox mit den wichtigsten Bürsten und Hufkratzer) kostet zwischen 40 und 100 Euro. Investieren Sie lieber in wenige hochwertige Bürsten als in viele billige - sie halten deutlich länger und putzen besser.
Häufige Fragen zur Pferdepflege
Wie oft muss ich mein Pferd putzen?
Welche Bürsten brauche ich für die Pferdepflege?
Wie oft muss der Hufschmied kommen?
Wann muss ich den Tierarzt rufen?
Wie viel Heu braucht ein Pferd pro Tag?
Darf ich mein Pferd im Winter eindecken?
Pferd gesucht? Jetzt stöbern!
Finden Sie Ihr Traumpferd unter tausenden Angeboten in ganz Deutschland.
Pferde durchsuchen